Katholisches Klinikum Mainz
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Selbsthilfegruppen in Mainz

Gemeinsam statt einsam

Einmal im Monat, immer am ersten Donnerstag, trifft sich ein kleiner Kreis von Menschen in Mainz-Gonsenheim, um zu reden und zuzuhören, um einfach zu erzählen und sich auszutauschen. Mal sind sie zu dritt, mal zu siebt, manchmal zu zwölft. Einige von ihnen kommen schon seit vielen Jahren hierher. Was gerade in ihnen arbeitet bekommt Raum, findet Gehör, wird ernst genommen. „Wenn Menschen in unseren Gesprächskreis kommen, ist das für sie meist ein ganz wichtiges Schlüsselerlebnis. Das Erzählen und Berichten ist wie ein Akt der Selbstbefreiung und ein Stückweit auch ein Akt der Heilung. Es gibt keine festen Gesprächsstrukturen, alles kann, alles darf gesagt werden“, sagt Dr. Bettina Ostermann-Vogt.

Verarbeitung und Umgang mit Krisen

Ostermann-Vogt, promovierte Erziehungswissenschaftlerin und Diplom-Pflegepädagogin, moderiert die Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alzheimer-Patienten der Alzheimer Initiative Mainz e.V.. Sie selbst hat Erfahrungen mit Alzheimer in ihrer Familie gemacht und weiß, wie belastend es sein kann, wenn ein nahe stehender Mensch langsam seine Erinnerungen und seine Gefühle verliert. Manche Teilnehmer haben bereits eine lange Leidenszeit hinter sich, wenn sie den Weg in die Gesprächsrunde finden. Und auch dort kann der Austausch mitunter sehr aufwühlend sein. Dennoch: „Bei uns wird auch viel gelacht. Humor ist ein ganz wichtiges Element bei der Verarbeitung und dem Umgang mit Alzheimer“, meint Ostermann-Vogt.

Breites Angebot in Mainz

Über 300 Selbsthilfegruppen zu den verschiedensten Themen gibt es in Mainz. Gesprächskreise für Diabeteskranke, trauernde Eltern, Menschen mit Tinnitus, Arbeitslose, Suchtkranke, Angstpatienten, Menschen mit Essstörung oder Mobbing-Opfer. Angeboten werden diese von sozialen Verbänden und Vereinen, Selbsthilfevereinigungen, kirchlichen Einrichtungen, viele aber auch auf private Initiative hin. Allen Gruppen ist eines gemeinsam: Sie vermitteln Kontakt zu Menschen in ähnlichen Lebenslagen und helfen, sich zu öffnen und aktiv zu werden. Sie geben praktische Lebenshilfe, Motivation und Entlastung in Belastungsphasen. Durch den gemeinsamen Austausch finden sich nicht selten ganz neue Lösungen und Strategien, mit einer Krise oder Krankheit umzugehen. Doch oft braucht es Zeit und große Überwindung, sich zu öffnen und (Selbst)Hilfe auch anzunehmen. Hinzu kommt die Frage: Wie finde ich die passende Selbsthilfegruppe?

 
 
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Der Weg zur passenden Gruppe

Wichtigster Ansprechpartner in Mainz ist die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes - Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e.V., kurz: KISS (Verlinkung: www.kiss-mainz.de). KISS ist so etwas wie der „Navigator“ in Sachen Selbsthilfe in Mainz. Die Informationsstelle unterhält enge Beziehungen zu verschiedensten Selbsthilfegruppen in Mainz, berät und unterstützt Menschen bei der Suche nach dem passenden Angebot. Im telefonischen oder persönlichen Gespräch klären die Mitarbeiter von KISS auch, ob ein Gesprächskreis mit anderen Betroffenen oder eine professionelles Betreuung und Beratung den Bedürfnissen des Interessenten am ehesten entspricht. Daneben helfen auch themen- und fachspezifische Vereinigungen oder Verbände wie etwa die Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Behinderter Rheinland-Pfalz e.V. (Verlinkung: http://www.lag-sb-rlp.de) oder die Alzheimer Initiative Rheinland-Pfalz e.V. (Verlinkung: http://www.alzheimer-initiative-rheinland-pfalz.de) bei der Kontaktvermittlung weiter. Die Broschüre „Gesundheit? Gesundheit!“ der Stadt Mainz gibt einen Überblick über wichtige Kontaktadressen und aktiven Selbsthilfegruppen in Mainz und kann unter www.kiss-mainz.de abgerufen werden.

Selbst initiativ werden

Was aber, wenn es noch keine Selbsthilfegruppe zu einem spezifischen Thema in Mainz gibt? Wer die Initiative ergreifen und sich mit anderen Betroffenen vernetzen möchte, findet auch hierbei Unterstützung bei KISS. Übrigens werden Selbsthilfegruppen unter bestimmten Voraussetzungen finanziell gefördert. Dass sich die Initiative lohnt, zeigt die Selbsthilfegruppe der Alzheimer Initiative Mainz e.V., die bereits seit über zehn Jahren besteht. „Unsere Teilnehmer geben uns immer wieder die Rückmeldung, dass ihnen der Besuch in der Gruppe bei der Bewältigung ihres Alltags enorm weiterhilft“, sagt Bettina Ostermann-Vogt. „Einfach weil die Begegnungen hier ganz wertvoll und einzigartig sind.“

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Selbsthilfe im Web 2.0

Zahlreiche Internetforen ermöglichen den Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen am heimischen PC. Virtuelle Selbsthilfe sozusagen, jenseits von Raum und Zeit. Doch welches Angebot ist sicher, welches seriös? Da den Überblick zu bewahren – eine echte Herausforderung. Seit November 2011 gibt es die Homepage www.selbsthilfe-interaktiv.de. Initiatorin der Seite ist die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen, kurz: NAKOS. Auf www.selbsthilfe-interaktiv.de finden User eine Liste von Selbsthilfeforen, die wichtige Kriterien in Bezug auf ihre Zielsetzung, Transparenz und Datensicherheit erfüllen. Außerdem gibt es eine umfassende Datenbank von bundesweiten und regionalen Selbsthilfevereinigungen sowie ein Forum, in dem rund ums Thema Selbsthilfe diskutiert wird. Ob virtuelle Selbsthilfe der Qualität von realen Gruppen genügen kann, ist in Fachkreisen übrigens recht umstritten. Klar ist: Das Internet ist aus der Selbsthilfe kaum noch wegzudenken. So kommt der erste Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe oder -vereinigung vor Ort oft über das Internet zustande. Viele Vereinigungen haben sogar eigene Internetforen wie beispielsweise die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) e.V. (Verlinkung: http://www.dmsg.de/multiple-sklerose-forum/index.php?w3pid=msforum). Diese sind anonym und jederzeit zugänglich – und damit zumindest eine wichtige Erweiterung der Kontaktmöglichkeiten im Selbsthilfebereich.

 
Schlüsselerlebnis: Kontaktaufnahme mit einer Selbsthilfegruppe
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